Darwin und die Science Fiction

 

Darwin-Cover

 

 

Darwins Welt. Aus dem Leben eine unfreiwilligen Revolutionärs
oekom verlag München 2008 (bei oekom bestellen)

 
 
 
 
 

Weshalb haben wir als SF-Autoren eine Darwin-Biografie geschrieben?

Es ist ein Zufall und doch kein Zufall.

Die einfache Erklärung ist, dass Anfang der 1980er Jahre der Verlag Das Neue Leben an uns mit der Bitte herangetreten ist, eine Biografie zu schreiben. Irgend eine. Unser damaliger Lektor legte uns eine lange Liste von Personen vor: Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, auch Kämpfer für die Arbeiterklasse. Wir schlugen unsererseits Herbert George Wells, den englischen Stammvater der Science Fiction, vor. Doch der Cheflektor lehnte ab – weil er ihn mit George Orwell, den Autor von „1984“, verwechselte.

Aber dann fiel uns der Name Charles Darwin auf der Wunschliste des Verlages auf. Darwin, der Schöpfer der Entwicklungstheorie. Großer Vorteil: Er hatte gelebt, lange bevor es die Sowjetunion gab. Das verminderte mögliche Konflikte mit der Zensur. Vor allem aber: Als SF-Autoren hat man eine natürliche Affinität zur Evolution; schließlich hatte schon H. G. Wells – in der „Zeitmaschine“, im „Krieg der Welten“ – immer wieder mit der Evolution gespielt. Er hatte ja bei dem kämpferischen Thomas Henry Huxley, Darwins „Bulldogge“, studiert.

Darwin entsprach unserem Anspruch, wissenschaftlich exakt zu sein. Wer nicht nur beliebige futuristische Märchen schreiben, sondern auch in erfundenen Geschichten sinnvoll über die ferne Zukunft spekulieren will, braucht die Evolutionstheorie. „Woher kommt der Mensch?“ – Auf diese Frage fand Darwin die Antwort. „Wohin geht der Mensch?“ – Mit dieser Frage beschäftigten und beschäftigen wir uns als SF-Autoren immer wieder. Nicht wissenschaftlich, doch mit einem Blick auf das, was die Entwicklungslehre aussagt. An die natürliche Evolution schließt sich die kulturelle Evolution an. Die Technologie wird zu einem Evolutionsfaktor, verändert den Menschen und folgt selbst evolutionären Prinzipien. Darwin blickte zurück, wir blicken nach vorn. Und auch, wenn wir Aliens schildern wollen – wie etwa die vernunftbegabten Saurier in unserem Roman „Pulaster“ –, fragen wir uns: Wie könnten sie sich entwickelt haben?

„Nichts in der Biologie ergibt Sinn“, sagt einer der modernen Forscher, „außer im Licht der Evolution.“ Und wir konnten nun hinzufügen: Nichts im belebten Universum ergibt Sinn, außer im Licht von Darwins Theorie. Das gilt auch für unsere SF-Welten, das kleine und bescheidene „Steinmüller-Universum“.

Frühere Ausgabe

Verlag Neues Leben Berlin 1985

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